Freitag, 1. August 2008

Lillibell und ihre Freunde (Märchen)

Es war einmal...

...eine winzig kleine Großstadt-Libelle mit Namen Lillibell. Mit ihren Freunden lebte sie in dem künstlich angelegten Teich einer sehr netten und kinderreichen Familie. Der Teich hinterm Haus war nicht gerade groß, aber groß genug, dass alle ausreichend Platz fanden. Der kleine Lurch Anur fand Platz in einem Erdloch unter einem Kieselstein, die Goldfische fühlten sich nahezu sauwohl in ihrem Element und die Vögel fanden genug Wasser zum trinken und baden. Nur Sibille, die Freundin von Lillibell fand das Gras am und im Teich viel zu mickerig. „Da war der Hausherr mal wieder viel zu knickrig“, zeterte sie, indes sie mit dem Halm abknickte und im seichten Wasser landete. Überhaupt hatte Sibille immer was zu mäkeln. Wenn sie sich nicht über den stacheligen Igel entrüstete, dann empörte sie sich über am Hungertuch nagende Feldmäuse oder über die flinken Eichhörnchen. „Da kriegt man ja ein Hörnchen“, meinte das Eichhörnchen Josef. „Ich wollte nur mal Hallo sagen und schau´n was ihr so macht und wie´s denn so geht, aber Sibille hat immer was zu meckern“. „Ja, ich weiß“, antwortete Lillibell, „Sibille ist seit dem Frühling unausstehlich und die Gesellschaft mit ihr macht keinen Spaß. Mal ist es das Gras, über das sie nörgelt, dann sind es die Mäuse oder der arme Igel, der sich wegen ihr schon ganz eingeigelt hat. Sogar Marta, die alte Schnecke von nebenan hat sich in ihrem Schneckenhaus verkrochen, und das schon seit Wochen“.

Von dem Geplänkel hörte der Maulwurf Talpanas, der mit seiner kleinen Nase aus dem Erdloch guckte. „Wenn ich mich da mal einmischen dürfte, liebe Freunde, ich bin auch mich Sibille zerstritten. Alles will sie besser wissen“. „Jajaja“, zischte das Eichhörnchen dazwischen, „das kenne ich. Mit mir macht sie das auch. Erst neulich hat sie felsenfest behauptet, ich hätte die ganzen Erdnüsse aus dem Futterhäuschen gestohlen“.

„Und mir wollte sie unterstellen, ich wäre überhaupt kein Insektenfresser, stellt euch das mal vor“, murmelte der Maulwurf. „Hihihihi, was frisst du denn dann, wenn keine Insekten, hihihihi“, wollte Lillibell wissen, „etwa Gras?“ „Uuuuaaah, Gras – habe ich mal aus Versehen verschluckt und sofort wieder ausgespuckt“, erwiderte Talpanas, während er genüsslich auf einem Madenkaugummi kaute. „Darf ich euch auch eins anbieten, liebe Freunde, Madenkaugummis sind der letzte Schrei?“. „Talpanas, lass das“, kreischte Lillibell, „du verdirbst mir ja den Appetit auf mein Mittagessen“. „Ja, ich geh dann mal wieder“, verabschiedete sich das Eichhörnchen fluchtartig, „ich hab mich mit Turdus, ihr wisst doch, die gehbehinderte Schrebergarten-Amsel verabredet“. „Grüß Turdus von uns, Josef, und sag ihr, dass sie sich gestern mal wieder selbst übertroffen hat, so wunderschön wie sie geträllert hat“. „In der Tat, das hat sie“, wollte Sibille einlenken und von Josef, der mit einem Satz verschwunden war, sah man nicht einmal mehr seinen Schweif. „Wenn du gelauscht hast“, meinte der Maulwurf, „dann weißt du ja, liebe Sibille, was deine Freunde über dich denken?!“ „Jaja, ich hab´s mitbekommen. Ihr glaubt, ich sei eine Mecker-Libelle, gelle?“. „Ja, das glauben wir“, gab Lillibell zur Antwort, „und soll ich dir mal was sagen, Sibille? Der Hausherr hat Anerkennung verdient für den schönen Teich, den er uns angelegt hat. Aber du findest immer ein Haar in der Suppe .. wie die Menschen so sagen“. „Iiiiiiiiiich?“, entrüstete sich Sibille, „ich doch nicht. Ich hab kein Halm im Teich, ähm, kein Haar in der Suppe gefunden. Ich habe nur gesagt, das das Gras viel zu mager ist und Josef immer die ganzen Erdnüsse frisst“. „Ja genau das ist es ja. Überleg doch mal. Der nette Hausherr hat dafür gesorgt, dass wir, die wir uns hier, mitten in einer Wohnsiedlung ansiedeln konnten, Lebensraum und immer frisches Futter haben. Also freue dich des Lebens und über den tierliebevoll gestalteten Garten.“ Lillibell schlug vor Aufregung mit den Flügeln und machte dabei mächtig Wind. „Aaaaaach schööööön“, freute sich Talpanas über den Windzug, „mach weiter so Lillibell, mir ist ja so heiß. Ich glaub, ich mach mich aber doch lieber vom Acker, ihr Lieben, unter der Erde ist es schön kühl und wesentlich angenehmer. Tüssi Lillibell, Aufwiedersehen Sibille, vielleicht schau ich übermorgen mal wieder bei euch rein und bring auch einen fetten Regenwurm mit“, und weg war der Maulwurf. Alles was von ihm übrig blieb, war ein kleiner Lehmhaufen .. direkt neben dem Ameisenhaufen.

„Ach ja“, seufzte Lillibell, „Talpanas ist ein echter Freund. Und weißt du was, liebste Freundin? Wir machen jetzt dem Hausherrn eine Freude, weil er immer so rücksichtsvoll und lieb zu uns ist. Was meinst du?“ „Hm, na gut, wenn du meinst. Wollen wir ihm eine Freude machen. Aber wie denn? Der Hausherr ist ein Mensch und können sich Menschen denn überhaupt freuen? Ich meine, worüber freuen sich Menschen?“ „Menschen freuen sich über Naturgeräusche, also packen wir´s an“. Gesagt getan. Nach einer kurzen Unterredung mit den anderen Garten-Tieren setzte die Geräuschkulisse ein. Die Grillen zirpten wie noch nie, die Goldfische, ok, die sahen nur zu, die Singvögel sangen in den höchsten Tönen, der Igel schnalzte so laut er konnte, der Reiher schlug heftig mit den Flügeln und Lillibell? Lillibell nahm Kurs auf Herrn Fröhlich, dem Hauseigentümer, setzte sich auf seine Stirn und…? Na ratet mal. Lillibell küsste sie zart und Herr Fröhlich? Der war hin und weg.

Ende

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