Heiligabend verlief wie jedes Mal bei mir zu Hause. Weil ich so gut kochen kann, denke ich, und weil mir das Talent eines Weihnachtsengels mitgegeben wurde. Von wem auch immer, es gelingt mir alljährlich in den eigenen vier Wänden die ganze Familie mit meinem weihnachtlichen Engel-Gesang mitzureißen. Mitunter haut es sie sogar vom Stuhl. Nicht dass ich nicht singen könnte, ich singe laut und vor allem deutlich - womit sich erklärt, warum der Mama stets Tränen in den Augen stehen. Meinem Mann und den Kindern übrigens auch. Um aber beim Essen zu bleiben, Mama wünschte sich Fondue. Nicht aus Hunger, sondern aus Neugierde. Dass man von Fondue nicht satt wird, davon hatte sie schon öfter gehört, aber sie wollte selbst mitreden können. Selbstredend, dass ich ihr den Wunsch erfüllte. Wie es sich gehört, war der Tisch festlich gedeckt und dekoriert. Hinter jedem Platzteller grinste, wie könnte es auch anders sein, ein Schneemännchen hervor und goldene Sternchen flogen zuerst über den ganzen Tisch verteilt, danach restlos alle auf dem Fußboden herum. Na ja. Immer noch besser als dieses Konfetti-Zeugs an Silvester. Oder doch nicht, Konfetti lässt sich schneller und leichter wegsaugen.
Irgendwie unbeholfen schien es, als Mama nach den Fleisch-Pieksern griff, um einfach so, aus ihrem goldigen Humor heraus, meinen Mann in den Oberarm zu pieksen. Alle lachten und amüsierten sich, nur er nicht. Mama hatte ihren Spaß, und ich freute mich mit ihr, wie ihr immer noch kleines Kind. Richtig lustig wurde es, als sie nach dreimal Fleisch vom Feinsten aufspießen, die Piekser mit einer unglaublichen Bemerkung zur Seite legte. "Ich hab keine Lust mehr", gab sie von sich und Katrin, meine Tochter, schüttelte sich vor Lachen. Schnell machte das Gelächter seine Runde, nur Ma wusste nicht so recht warum sich alle freuten. "Oma, bist Du satt oder was ist los?", hinterfragte Katrin, während sie ihrer Oma liebevoll die Hand streichelte. "Na, ich weiß nicht, Kinder. Das ist mir viel zu langweilig und nix für Oma (Mama spricht gern in der zweiten Person über sich). Früher aßen wir immer selbstgemachten Kartoffelsalat mit Bockwürstchen und vorweg gab es eine kräftige Rindfleischsuppe. Für son´ Goulasch ist mir das hier ein bisken zu albern", verteidigte sich meine Mutter. Ach, wie Recht sie doch hatte. Ich hätte nämlich auch viel lieber Kartoffelsalat aus frischen Pellkartoffeln gegessen und ´ne leckere Bockwurst mit Mostrich. "Weißt Du was, Mutti", nahm ich sie in den Arm und drückte sie ganz fest an mich "Silvester gibt es Kartoffelsalat, so wie du ihn am Liebsten magst. Dazu essen wir Bockwürstchen und vorweg eine kräftige Rindfleischsuppe"........
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